Gedanken zum Tod Der des ehemaligen Cambridge-Professors Jason Arday
Der Tod des ehemaligen Cambridge-Professors Jason Arday hat mich nachdenklich gemacht. Arday, bei dem Autismus diagnostiziert worden war, wurde im Alter von 41 Jahren tot aufgefunden. Zuvor war er über Jahre als außergewöhnlicher Akademikwer gefeiert worden; zuletzt stand er wegen Plagiatsvorwürfen massiv in der öffentlichen Kritik. Er selbst wies den Vorwurf bewussten wissenschaftlichen Fehlverhaltens zurück, räumte aber Fehler ein. Die Polizei behandelt seinen Tod als unerwartet, nicht als verdächtig. (Reuters)
Es steht mir nicht zu, über Jason Arday zu richten. Ich kenne ihn nicht, kenne die Hintergründe nicht und werde auch keinen Zusammenhang zwischen seinem Tod, den gegen ihn erhobenen Vorwürfen und seiner Neurodivergenz behaupten. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und allen Hinterbliebenen.
Aber sein Tod berührt ein Thema, über das wir sprechen müssen.
Über Neurodiversität reden wir zunehmend über Chancen, besondere Perspektiven und unterschiedliche Arten zu denken. Das ist wichtig. Aber wir dürfen dabei die schwierigen Seiten nicht ausblenden.
Denn die Forschung zeigt einen Zusammenhang, der aufrütteln sollte: Studien zu Autismus und ADHS finden deutlich erhöhte Risiken für Suizidgedanken, suizidales Verhalten und Suizidtod. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Neurodivergenz Suizidalität verursacht. Die Zusammenhänge sind komplex.
Psychische Begleiterkrankungen, Einsamkeit, Ausgrenzung, Überforderung, fehlende Unterstützung und andere Belastungen können eine Rolle spielen.
Vielleicht sollten wir deshalb neben der Frage
„Was ist anders an diesem Menschen?“
viel häufiger fragen:
„Was erlebt dieser Mensch in einer Welt, die auf sein Denken, Wahrnehmen und seine Bedürfnisse möglicherweise nicht eingestellt ist?“
Neurodiversität ernst zu nehmen bedeutet mehr, als über Potenziale und besondere Fähigkeiten zu sprechen.
Es bedeutet auch zuzuhören. Hinzusehen. Menschen nicht auf Leistung, Fehler oder Diagnosen zu reduzieren. Und Strukturen zu schaffen, in denen Anderssein nicht permanent erklärt, versteckt oder verteidigt werden muss.
Different Minds. Not Less.
Quellen zur Suizidalität: Santomauro et al. (2024), Psychiatry Research; Newell et al. (2023), Molecular Autism; Hirvikoski et al. (2019), Psychological Medicine; Garas, Takacs & Balázs (2025), Brain and Behavior.


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