Komplexes lösen, Banales vergessen: Vor dem Urlaub kann ein Mensch ein hochkomplexes Unternehmensproblem durchdringen, Abhängigkeiten erkennen und eine neue Lösung entwickeln. Am Urlaubsort stellt derselbe Mensch fest:
Der Akku des E-Bikes liegt zu Hause. Das ist kein wissenschaftliches Diagnosekriterium für Autismus. Aber es illustriert etwas Wichtiges: Kognitive Leistungsfähigkeit ist nicht eindimensional. Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Planung, Motivation, Kontext und Stress beeinflussen, was gerade verfügbar ist. Komplexität beherrschen schützt nicht vor Alltagsfehlern.

Genau deshalb mag ich die Geschichte mit dem E-Bike-Akku. Sie nimmt der
ganzen Debatte etwas von ihrer Schwere. Vor dem Urlaub kann ein
kompliziertes Problem meine volle Aufmerksamkeit bekommen. Am
Campingplatz stehe ich dann vor dem Fahrrad und merke: Das entscheidende
Teil liegt zu Hause.
Der produktive Umgang damit ist nicht Selbstabwertung, sondern
Systemdenken. Was kann ich beim nächsten Mal so gestalten, dass mein
Gedächtnis nicht allein verantwortlich ist? Eine Checkliste, ein fester Platz oder
eine einfache Kopplung von Schlüssel und Akku kann mehr bewirken als der
Vorsatz, künftig „besser aufzupassen“. Im Unternehmen würden wir genau
dasselbe Prozessverbesserung nennen.
